Skalierung - Groß denken

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Einmal für gut befunden, sollte ein Programm allen zu Gute kommen. Hat es  sich in einer Teilregion bewährt, so sollte es in der gesamten Region implementiert werden. Diese Skalierung erfordert besondere Planung, denn sie bedeutet nicht einfach „mehr desselben“.

Dies gilt einerseits für inhaltliche Aspekte, wie z.B. den „Mix“ der vorgehaltenen Präventionsangebote und deren genaue Ausgestaltung und Umsetzung. Familien und ihre Bedürfnisse und Ressourcen sind sehr unterschiedlich und wir können nicht unbegrenzt mehr Familien erreichen, indem wir z.B. einfach mehr Elternkurse anbieten. Diese müssen passgenau z.B. um Einzel- und Selbsthilfeangebote, intensivere, aber auch niedrigschwellige Angebote ergänzt werden.

Auch auf organisatorischer und Implementierungsebene gilt, dass Skalierung nicht einfach „mehr desselben“ bedeutet. So müssen zum Beispiel Strukturen und Rollen neu überdacht werden: Fand die Koordination bisher auf lokaler Ebene statt, so muss nun die übergeordnete Ebene stärker an der Koordination mitwirken. Ein zentraler Koordinator, z.B. auf Kreis- oder Stadtebene, wird benötigt. Gleichzeitig sollen auch die lokalen Akteure als Implementierungsteams sinnvoll eingebunden sein. Sie bilden einen Zugang zu den Einrichtungen und Fachkräften vor Ort. Eine wesentliche Aufgabe ist es nun, sicherzustellen, dass diese Teams das Vorhaben zu ihrem eigenen machen und Verantwortung sowie „Ownership“ übernehmen.

Im Folgenden werden beispielhaft einige konkrete Veränderungen in der Organisation aufgeführt:

  • Fortbildungen können regional übergreifend organisiert werden.
  • Fortbildungsplätze sollten bedarfsgeleitet zugeteilt werden. Hierbei muss natürlich eine gewisse Flexibilität bestehen bleiben, um der Nachfrage gerecht zu werden.
  • Triple P Online sollte zentral und übergreifend koordiniert werden.
  • Die Informationskampagne „Bleib positiv“ könnte komplett genutzt wurden. Unter anderem kann diese eine eigene Internetseite für Eltern beinhalten.
  • Weitere Gremien, Arbeitsgruppen, Ausschüsse und Netzwerke müssen informiert und für die Implementierung gewonnen werden.

Auch die Ziele müssen überdacht und ggf. neu formuliert werden. In jedem Fall muss eine neue detaillierte Planung folgender Zahlen erfolgen:

  • Gewünschte Anzahl erreichter Familien, bzw. gewünschte „reach rate“ (d.h. Anteil der Familien in der Bevölkerung, die mit dem Programm erreicht werden)
  • Benötigte Anzahl aktiver fortgebildeter Fachkräfte
  • Benötigte Materialien
  • Benötigte Unterstützung der Fachkräfte in Form von Workshops und Supervision

Die Erfahrungen aus der Teilregion sollten nutzbar für die übrige Region werden, z.B. in einer regelmäßig tagenden Arbeitsgruppe

Das Triple P-Rahmenmodell zur Implementierung ist für die Skalierung sehr wertvoll. Die Grundprinzipien (Minimale Suffizienz und Selbstregulation) und die Phasen gelten auf jeder der beteiligten Ebenen, wenngleich sie dort auf unterschiedliche Arten mit Leben gefüllt werden.  So nutzt der Implementierungsberater im Gespräch mit Akteuren auf Stadt- oder Landkreisebene die gleichen Grundprinzipien wie Fachkräfte mit Familien, was durch die folgende Grafik veranschaulicht werden soll.

Skalierung mit dem Triple P-Rahmenmodell zur Implementierung (McWilliam, 2016) am Beispiel eines Landkreises mit Sozialräumen
Skalierung mit dem Triple P-Rahmenmodell zur Implementierung (McWilliam, 2016) am Beispiel eines Landkreises mit Sozialräumen

Ausblick

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und dieser Blog tut es ihm gleich. Der nächste Eintrag wird zugleich der letzte sein und für Sie noch einmal die bisherige Implementierung reflektieren. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und eine Sammlung von Leitfragen werden hoffentlich für Ihre eigenen Implementierungsvorhaben auch zukünftig hilfreich sein.

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